Antisemitismus im Kontext von Rechtspopulismus und Migration – Artikulationen, Interventionen und Umgangsformen

ab 18:00 Uhr im Trafo (Nollendorfer Straße 30, 07743 Jena)

 

Die Debatten um Flucht und Migration haben neue ambivalente Dynamiken in der Auseinandersetzung mit aktuellen Formen des Antisemitismus in Deutschland ausgelöst: Während jüngste Zahlen für das Jahr 2017 einen Anstieg von antisemitischen Hassverbrechen belegen und Jüdinnen und Juden ein höheres Bedrohungsgefühl durch Antisemitismus wahrnehmen, verknüpfen sich Erklärungsansätze oft mit den Themen Flucht und Migration. Rechtspopulist/-innen greifen diese Verknüpfungen auf und versuchen den Antisemitismus als eine exklusive Domäne des Islam zu präsentieren und projizieren diese Ansicht einmal mehr auf Geflüchtete. Sie berufen sich dabei auf eine christlich-jüdische Tradition und hantieren zeitgleich mit antisemitischen Vorurteilen und Verschwörungstheorien. Die Stigmatisierung des Islam über den Antisemitismus gehört zum festen Repertoire der populistischen und extremen Rechten.

 

Auch in Thüringen versuchte die AfD die Jüdische Landesgemeinde für ihre Zwecke zu instrumentalisieren, indem sie Wahlkampf mit der Angst vor Migration und Islam machte. So machten sich pauschalisierende Deutungen zum Zusammenhang von Antisemitismus und Migration auch über den rechten Rand hinaus breit. Dieser Polarisierung gilt es durch Fakten und Sachverstand entgegenzuwirken, um Handlungsmöglichkeiten für lokale Akteure zu eröffnen und einen offensiven Umgang mit Antisemitismus jeglicher Couleur zu fördern.
Diese Veranstaltung soll dazu dienen, aktuelle Artikulationen des Antisemitismus einzuordnen, Möglichkeiten der Intervention in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen (z.B. Bildung, Politik) sowie den Umgang der jüdischen Gemeinden zu thematisieren.

Es diskutieren: Dr. Sina Arnold (Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung), Marina Chernivsky (Kompetenzzentrum der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland), Hannah Peaceman (Universität Erfurt; Mitherausgeberin der Zeitschrift Jalta) und Thaer Issa (Zentralrat der Muslime; Fachdienst Flüchtlings- und Integrationsarbeit).

Einführung und Moderation: Janine Dieckmann, Maik Fielitz (IDZ Jena)

Die Podiumsdiskussion findet im Rahmen der „Aktionswochen gegen Antisemitismus“ der Amadeu Antonio Stiftung und des Anne Frank Zentrums Berlin statt. Die „Aktionswochen gegen Antisemitismus“werden gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms Demokratie Leben!