Kein Schlussstrich! Jena und der NSU-Komplex

Zehn Jahre nach dem öffentlichen Bekanntwerden des sog. "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) sind viele Fragen offen, viele Wunden ohne Aussicht auf Heilung. Die Haupttäter:innen kamen aus Jena und es ist an der Zeit, die stadtgesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem rechten Terror, mit Rassismus, mit Diskriminierung und mit der Bedrohung Andersdenkender zu intensivieren. Es ist an der Zeit, die Opfer und Betroffenen sichtbarer werden zu lassen. Es ist an der Zeit, sie in ihrem Kampf gegen die Ursachen von Ausgrenzung, Hass und Gewalt an der Seite von diversen Bürgerinitiativen zu würdigen und zu stärken.

Auf Initiative der Stadt Jena, von JenaKultur, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und dem Institut für Zivilgesellschaft und Demokratie werden in dem umfangreichen Programm und gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Organisationen, Aktivist:innen, Wissenschaftler:innen und Künstler:innen die historischen Wurzeln aufgearbeitet sowie die stadtgesellschaftliche und politische Verantwortung an den Taten des NSU in den Blick genommen. Aus diesem Anlass wurde ein Arbeitskreis der beteiligten zivilgesellschaftlichen Akteure gebildet, der Schwerpunkte und Ziele der Kooperation formulierte: Stellungnahme.

Programmübersicht

Einen Überblick zum Programm mit mehr als 60 Veranstaltungen bestehend aus Ausstellungen, Site--Specific-Arbeiten, Podien, Diskussionen, Workshops, Lesungen, Vorträge und vieles mehr erhalten Sie über den → Programmflyer.

Weiterführende Informationen zum Projekt "Kein Schlussstrich! Jena und der NSU-Komplex" sowie zu den vielzähligen Einzelveranstaltungen sind unter www.kein-schlussstrich-jena.de abrufbar.

IDZ Veranstaltungen im Rahmen des Projektes

Terrorism for White Supremacy: Comparative Research Perspectives

Donnerstag 21. Oktober 2021, 17:30 bis 20:00 Uhr, Online-Veranstaltung

Anmeldung über: www.eventbrite.de/e/terrorism-for-white-supremacy-comparative-research-perspectives-tickets-167590705311

Englischsprachiges Panel mit wissenschaftlichen Vorträgen zu Rechtsterrorismus und Diskussion zu internationalen Perspektivierung

Right-wing extremist terrorism has been rising around the world throughout the last decade. The fatal attacks of Utøya, Christchurch, and Halle, among many others, are the epitomes of the dynamics of racist radicalization and violence. The scenario of international RWE terrorism has undergone a pivotal change due to the increased usage of social media as means of spreading hate, conspiracy ideology, digital communication, and recruitment strategies for violent combat. Some of the perpetrators have embraced the role-model of the single-shooter who broadcasts their killing spree in order to be glorified by a fringe online community. Moreover, new groups and networks such as The Base or Atomwaffen Division have emerged as part of the Neo-Nazi online-offline scene and prepare for “Day X” and “race war”. Thus, the threat to minority groups, democratic politicians, and society as a whole have increased substantially. This panel discusses the continuities and innovations of contemporary RWE terrorism from a comparative perspective.

Guests:

  • Cynthia Miller-Idriss (American University, Washington D.C.)
  • Ashton Kingdon (University of Southampton / Centre for Analysis of the Radical Right)
  • Jacob Aasland Ravndal (C-REX - Center for Research on Extremism, Oslo)
  • Maik Fielitz (IDZ Jena)

Kämpferische Erinnerung vs. Verdrängung und Verharmlosung: Erinnerungsdiskurse entlang des NSU-Komplexes

Sonntag, 24. Oktober 2021, 11 Uhr, Rathausdiele Jena

Vortrags- und Diskussionsveranstaltung

Die erinnerungspolitische Deutung des NSU-Komplexes ist umkämpft. Angehörige und Betroffene streiten für die Anerkennung des Tatmotivs Rassismus und seiner strukturellen Dimensionen, Stadtgemeinschaften vermeiden bis heute die Thematisierung von Rassismus und Neurechte verbreiten Verschwörungserzählungen rund um den rechten Terror. 

Die Wissenschaftlerinnen Onur Suzan Nobrega, Anja Thiele und Maria Alexopoulou stellen in dieser Veranstaltung Ergebnisse ihrer Forschung zu Erinnerungspraktiken bezüglich des rechten Terrors vor, die in einem neuen Sammelband zum NSU-Komplex veröffentlicht werden („Rassismus. Macht. Vergessen. Von München über den NSU bis Hanau: Symbolische und materielle Kämpfe entlang rechten Terrors, herausgegeben von Onur Suzan Nobrega, Matthias Quent und Jonas Zipf, transcript Verlag).

Gäste:

  •  Onur Suzan Nobrega (Goethe-Universität Frankfurt am Main)
  •  Maria Alexopoulou (Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin / FGZ Berlin)
  •  Anja Thiele (IDZ Jena / RIAS Thüringen)