Projektvorstellung: Fachstelle Gender, GMF und Rechtsextremismus: völkischer Rechtsextremismus im ländlichen Raum

Völkischer Rechtsextremismus vereint die Ideologie des völkischen Nationalismus mit der politischen Aktionsform der strategischen Raumergreifung und einem Lebensstil, der sich uneingeschränkt an rechtsextremer Ideologie orientiert. Da völkische Rechtsextreme „das Volk“ als eine starre, organische, überhistorische Einheit sehen, dessen Charaktereigenschaften nach der „Blut und Boden“-Ideologie durch den „Lebensraum“, in dem ein „Volk“ lebt, bestimmt werden, kommt diesem eine besondere Bedeutung zu. Daraus leiten sich für völkische Rechtsextreme eine politische Zielsetzung und eine klare strategische Ausrichtung ab. Der ländliche Raum wird als politisches Kampfgebiet wahrgenommen und macht diesen zu einem der Hauptaktionsorte der rechtsextremen Szene. Aus diesem Grund lassen sich völkische Rechtsextreme gezielt in abgelegenen Gegenden nieder.

Völkische Akteur*innen: übersehen und unterschätzt

Akteur*innen der extremen Rechten werden oft nicht als solche erkannt, wenn sie nicht den gängigen Vorstellungen von rechtsextremem Verhalten, Aussehen oder Kleidungsstil entsprechen. So werden „völkische Siedler*innen“, die als kinderreiche, traditionsverbundene Familien und hilfsbereite, freundliche Nachbar*innen im ländlichen Raum auftreten, zunächst meist nicht als überzeugte Rechtsextreme wahrgenommen. In besonderem Maße gilt dies für Frauen in der völkischen Szene, deren rechtsextreme Ideologie und aktivistisches Handeln oftmals nicht mit ihrem Auftreten als liebevolle Mutter oder nette Erzieherin in der Kindertagesstätte in Einklang zu bringen sind. Gerade, weil Frauen oftmals als rechte Ideolog*innen übersehen oder weniger ernstgenommen werden, kann es ihnen gelingen, im vermeintlich unpolitischen pädagogischen Bereich oder im Kontext von Bildungseinrichtungen zu agieren. Hier erlangen sie durch ihr ehrenamtliches Engagement oft schnell Akzeptanz und Einfluss. In den meisten Fällen werden rechtsextreme Positionen erst nach einem längeren Zeitraum angedeutet und fließen ganz allmählich in die Aussagen ein. Erzieher*innen und Lehrer*innen, denen diese Aussagen auffallen, fühlen sich meist überrascht und sind unsicher, wie sie damit umzugehen haben.

Die Arbeit der Fachstelle Gender, GMF und Rechtsextremismus

Die Fachstelle Gender, Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF) und Rechtsextremismus der Amadeu Antonio Stiftung setzt sich für eine geschlechterreflektierende Perspektive in der Auseinandersetzung mit extrem rechten Akteur*innen ein. Mit einer solchen kann verhindert werden, dass das politische Handeln von rechtsextremen Frauen und die von ihnen ausgehende Gefahr unterschätzt wird. Eine Analyse der in der rechtsextremen Szene weithin vorherrschenden traditionalistischen Geschlechterrollen kann Aufschluss über Einstiegsmotive und die innere Stabilisierung der rechtsextremen Szene geben. Dies liefert hilfreiche Ansatzpunkte für die pädagogische Arbeit in der Rechtsextremismusprävention. Die Fachstelle berät bundesweit Einzelpersonen, Kommunen, Sozialarbeiter*innen, Initiativen und Bildungseinrichtungen im Umgang mit völkischem Rechtsextremismus und bietet Workshops, Vorträge und weitere Bildungsformate zum Thema an. Darüber hinaus bereiten wir unsere Expertise in Publikationen wie Broschüren, Flyern oder Artikeln auf. Im Umgang und der Auseinandersetzung mit Rechtsextremen empfehlen wir, sich zunächst umfassend zu informieren und klar zu positionieren. Dazu gehört, sich eindeutig gegenüber menschenfeindlichem Gedankengut abzugrenzen und diesen Anschauungen demokratische Werte entgegensetzen. Eine ausbleibende kritische Distanzierung verharmlost und normalisiert Diskriminierung und bestärkt Rechtsextreme in ihrem Handeln.

Völkischer Rechtsextremismus muss daher als Gefährdung der pluralistischen und demokratischen Gesellschaft ernstgenommen werden. Gerade strukturschwache Gebiete müssen präventiv unterstützt und gefördert werden. Zivilgesellschaftliche Initiativen vor Ort müssen gestärkt und ihr Agieren sichtbar gemacht werden, um rechtsextremer Agitation eine offene, vielfältige Gesellschaft entgegenzusetzen.

 

 

Literatur

Amadeu Antonio Stiftung (2017): „Die letzten von gestern, die ersten von morgen“? Völkischer Rechtsextremismus im ländlichen Raum. Online: www.amadeu-antonio-stiftung.de/w/files/publikationen/voclkischer-rechtsextremismus-in-niedersachsen.pdf.

Amadeu Antonio Stiftung/Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (2017): Lebendige Orte. Eine Reise durch Barnim und Uckermark. Online: www.amadeu-antonio-stiftung.de/w/files/pdfs/reisefuehrer_barnim_uckermark.pdf.

Amadeu Antonio Stiftung (2015): Völkische Siedler/innen im ländlichen Raum. Basiswissen und Handlungsstrategien. Online: www.amadeu-antonio-stiftung.de/w/files/pdfs/voelkische_siedler_web.pdf.