Autor*innenkollektiv Terra-R (2025). Das Ende rechter Räume
Über die Publikation
Rechtsradikalismus wirkt als gesamtgesellschaftliches Phänomen durch räumliche Praktiken, Diskurse, Symboliken und Affekte. Ebenso haben rechte Mobilisierungen vielfältige räumliche Dimensionen, von Nationalität und Geopolitik über Globalisierung und Migration bis hin zu Stadt-Land-Beziehungen. Doch wie lassen sich diese Dimensionen analysieren und für die politische Opposition zugänglich machen? Um diese Frage zu adressieren, schlägt das Autor*innenkollektiv Terra-R das Konzept der Territorialisierung vor (Ankündigungstext). Das Buch ist beim Verlag in der gedruckten Variante und als kostenloses PDF-Dokument erhältlich (Open Access).
Methode
In elf Kapiteln werden unterschiedliche Forschungszugänge zum Phänomen der Territorialisierung der radikalen und extremen Rechten und damit verbundene praxisbezogene Implikationen aufgezeigt. Das Autor*innenkollektiv Terra-R ist aus dem Forschungsnetzwerk Territorialisierungen der radikalen Rechten hervorgegangen. Seine Mitglieder haben unterschiedliche disziplinäre Hintergründe und engagieren sich verschiedentlich zivilgesellschaftlich.
Zentrale Befunde/Aussagen
„Das Ende rechter Räume verstehen wir als Plädoyer für die kritisch-transformative Auseinandersetzung mit rechten Hegemoniebestrebungen und ihren Raumnahmeversuchen. Zugleich wenden wir uns gegen populär-räumliche Betrachtungen, die rechte politische Verhältnisse aus dem vermeintlichen Wesenskern von Räumen erklären. Damit geben wir eine räumliche Perspektive auf die radikale Rechte und ihre Mobilisierungen aber nicht auf. Stattdessen wollen wir bestehende rechte Raumproduktionen und das räumliche Ordnen politischer Verhältnisse reinterpretieren, mittels des Konzeptes der Territorialisierung um einen geographischen Fokus erweitern und unseren Vorschlag empirisch erproben. Dafür blicken wir auf das Protestgeschehen in sächsischen Kleinstädten, in die rechte Presse- und Propagandalandschaft, auf die Bedingungen für den rassistischen Terror von Hanau sowie in die rechte Kommunalpolitik im Berliner Umland. Bevor wir diese Schritte gehen, wollen wir zunächst unser Argument an zeithistorische und wissenschaftliche Debatten anschließen.“ (S. 16)
Die vollständige Publikation finden Sie hier:
www.dampfboot-verlag.de/de/bucher/das-ende-rechter-raume
Quelle
Autor*innenkollektiv Terra-R (2025). Das Ende rechter Räume. Zu Territorialisierungen der radikalen Rechten. Münster, Verlag Westfälisches Dampfboot.
Beutel, Silvia-Iris/Busch, Matthias/Ruberg, Christiane (Hg.). (2025). Krisenmodus verlassen – Transformation gestalten
Über die Publikation
Das 3. Jahrbuch Demokratiepädagogik und Demokratiebildung widmet sich der Transformation als Schlüsselbegriff für die Veränderungen und Krisen der Moderne und den Auswirkungen auf Lernen und Demokratiebildung. Der Sammelband eint 22 Beiträge von 37 Autor*innen aus Wissenschaft und Praxis.
Methode
Der Sammelband gliedert sich in drei Kapitel: in einen Schwerpunkt Transformation, ein Kapitel zur Praxis und ein berichtsbasiertes Forum. Die wissenschaftlichen Beiträge im Schwerpunkt widmen sich den gesellschaftlichen, politischen und globalen Folgen und Entwicklungsaufforderungen für demokratisch handelnde Akteur*innen in Gesellschaft, Schule und Bildungssystem. Sie fokussieren u. a. den Einfluss von Demokratiefeindlichkeit auf Schule, Bildungssystem und Wissenschaftsfreiheit. Die Beiträge im Praxisteil liefern Konzepte, Voraussetzungen und Bedingungen für den Bildungskontext. Im Forum finden sich Berichte spezifischer Aktionen, Projekttage oder kommunaler Initiativen sowie ein Diskussionsbeitrag.
Zentrale Befunde/Aussagen
Der permanente Wandel, der sich in Optionen und Fortschrittsbildern, v. a. aber in Gefährdungen, Krisen, Kriegen und mit der Digitalisierung in einem technischen Wandel manifestiert, hat vielfältige Auswirkungen auf das Lernen und den Bildungskontext. Der Sammelband thematisiert u. a. digitale oder sozial-ökologische Transformationsprozesse in Hinblick auf theoretische Überlegungen ebenso wie auf praxisorientierte pädagogische und bildnerische Konzepte. Transformative Gestaltung ist die zentrale Herausforderung pädagogischer Forschung und Arbeit. Die Autor*innen zeigen die Notwendigkeit auf, Zukunftsszenarien und einen demokratiestarken Rahmen für Bildung, insbesondere Schule zu entwickeln. Vielfalt in Perspektiven und in der Partizipation sind maßgeblich, um die Zukunft der Demokratie und eine entsprechende Demokratiebildung zu gestalten.
Die vollständige Publikation finden Sie hier:
www.wochenschau-verlag.de/Krisenmodus-verlassen-Transformationen-gestalten/14219
Quelle
Beutel, Silvia-Iris/Busch, Matthias/Ruberg, Christiane (Hg.). (2025). Krisenmodus verlassen – Transformation gestalten. Jahrbuch Demokratiepädagogik & Demokratiebildung 3, 2025/2026. Frankfurt a. M., Wochenschau-Verlag.
BMFSFJ (2024). Vierter Engagementbericht. Zugangschancen zum freiwilligen Engagement
Über die Publikation
Der Vierte Engagementbericht widmet sich den Zugangswegen und -chancen zum freiwilligen Engagement und analysiert bestehende Unterschiede und Barrieren. Der Bericht zielt darauf ab, eine nachhaltige Engagementpolitik zu fördern und Handlungsempfehlungen zu geben.
Methode
Der Engagementbericht basiert auf Ergebnissen 1) einer Sonderauswertung des Deutschen Freiwilligensurveys 2019, 2) Zusatzfragen im Online Access Panel des DeZIM sowie 3) einer qualitativen Studie mit Gruppendiskussionen mit weniger privilegierten Engagierten über ihre Herausforderungen und Hürden im Engagement. Zusätzlich wurde ein Rechtsgutachten herangezogen.
Zentrale Befunde/Aussagen
Der Vierte Engagementbericht zeigt auf, dass im freiwilligen Engagement in Deutschland erhebliche Unterschiede und Ungleichheiten vorliegen. Bestehende soziale Ungleichheiten – etwa in Bezug auf Einkommen, Bildungsabschluss, Erwerbsstatus, Migrationsgeschichte, Alter, sexuelle Orientierung oder Behinderung – beeinflussen die Zugangschancen zum freiwilligen Engagement maßgeblich und werden im freiwilligen Engagement oftmals reproduziert. Dabei identifiziert die Sachverständigenkommission 13 „Schwellen“, die die Teilnahme, Aufgabenübernahme und Mitgestaltung im Engagement beeinflussen und für die ungleiche Verteilung der Beteiligung(-smöglichkeiten) der unterschiedlichen sozialen Gruppen verantwortlich sind. Neben Aspekten wie Zeit(-autonomie), Sprache, (politisch motivierten) Gewalterfahrungen und räumlichen Zugänglichkeiten werden fehlende finanzielle Ressourcen als eine zentrale Schwelle hervorgehoben. Ergänzend zu dieser Analyse gibt der Engagementbericht entlang der Schwellen Anregungen und konkrete Handlungsempfehlungen, wie der Zugang zum freiwilligen Engagement befördert, gestärkt und inklusiver gestaltet werden kann.
Die vollständige Publikation finden Sie hier:
Quelle
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). (2024). Vierter Engagementbericht: Zugangschancen zum freiwilligen Engagement und Stellungnahme der Bundesregierung (Drucksache 20/14120). Berlin.
DiResta, Renée (2024). Invisible Rulers: The People Who Turn Lies into Reality
Über die Publikation
Invisible Rulers ist eine tiefgehende Analyse der modernen Informationslandschaft, die aufzeigt, wie Influencer*innen, Algorithmen und digitale Schwärme die öffentliche Meinung manipulieren und die Demokratie gefährden. DiResta, ehemalige Leiterin des Stanford Internet Observatory, nimmt Bezug auf Edward Bernays Propaganda-Studie aus dem Jahre 1928 und argumentiert: Themen der digitalen Öffentlichkeit werden immer mehr von einer kleinen Gruppe vokaler Online-Persönlichkeiten bestimmt, die das Denken und Verhalten der breiten Masse nicht nur beeinflussen, sondern aktiv gestalten, indem sie Inhalte so kuratieren, dass sie Trends setzen und sich so ihre Erzählungen als Wahrheiten verbreiten.
Methode
Viele wertvolle Einschätzungen in diesem Buch beruhen auf ethnografischen Untersuchungen der Autorin im Bereich der Impfskeptiker*innen noch lang vor der Covid-19-Pandemie. Anhand von Influencer*innen-Fallstudien im Lifestyle-Bereich, unter Trump-Supporter*innen, QAnon-Verschwörungstheoretiker*innen und pro-russischen Trollen, zeigt DiResta, wie die Mechanismen der Influencer*innen-Ökonomie funktionieren und welche Auswirkungen sie auf Gesellschaft und Politik haben.
Zentrale Befunde/Aussagen
DiResta konzentriert sich in ihrem Buch auf die Dreiecksbeziehung von Influencer*innen, Algorithmen und Schwärmen von Online-Nutzer*innen, ohne die politische (und konsumgetriebene) Einflussnahmen heute nicht verständlich sind. Sie erklärt die Beziehung von Creator*in und Publikum durch die Interaktion, die auf digitalen Plattformen stattfindet, und bietet vielfältige Typologien, um die Diversität von Influencer*innen und ihre Finanzierungsmodelle vorzustellen. Dabei geht sie v. a. auf die Beeinflussung der Influencer*innen durch eine algorithmisch organisierte Öffentlichkeit ein, was die Mehrdeutigkeit der „invisible rulers“ unterstreicht. DiResta kombiniert technisches Wissen mit praktischen Beispielen und bietet so eine umfassende Perspektive auf die Thematik.
Die vollständige Publikation finden Sie hier:
https://www.hachettebookgroup.com/titles/renee-diresta/invisible-rulers/9781541703377/
Quelle
DiResta, Renée (2024). Invisible Rulers: The People Who Turn Lies into Reality. New York, PublicAffairs.
Farkas, Johan/Maloney, Marcus (Hg.). (2025). Digital Media Metaphors. A Critical Introduction
Über die Publikation
Der Band versammelt nach einer konzeptionellen Einleitung elf Beiträge. Alle befassen sich mit je einer Metapher, die im Zusammenhang mit digitalen Medien Anwendung findet. Ziel des Bands ist es, eine kritische Reflexion über geläufige Annahmen in diesem Kontext zu eröffnen.
Methode
Anknüpfend an die Perspektive von George Lakoff und Mark Johnson werden Metaphern nicht nur als sprachliche Ausdrücke, sondern als grundlegende Mechanismen verstanden, die Kognitionen und Handlungen prägen. Alle Metaphern im Band beziehen sich auf digitale Kommunikation und zeigen, wie sie unsere Sicht auf selbige beeinflussen.
Zentrale Befunde/Aussagen
Neben den breiten digitalen Metaphern, die sich auf das Verständnis der technischen Struktur (Cloud, Platform) oder der Gruppen (Digital Natives) beziehen, adressieren einige Beiträge auch Metaphern, die im Kontext von Polarisierung und Radikalisierung relevant sind. So widmet sich der Beitrag von Axel Bruns den Konzepten Filterblase und Echokammer. Bruns bewertet diese als „confusing at best, and unsuitable at worst” (S. 68). Aufbauend auf empirischer Forschung argumentiert er, dass algorithmische Empfehlungen dazu neigen, allen ähnliche Inhalte zu zeigen, soziale Netzwerke meist heterogen sind und Nutzer*innen daher häufiger mit Informationen in Kontakt kommen, nach denen sie nicht gesucht haben. Auch über bereits Radikalisierte schreibt er: „[…] that filter is in their heads, not in the algorithms that support their communicative activities“ (S.72). Ähnlich beschreibt Becca Lewis in ihrem Beitrag die algorithmische Radikalisierung durch sogenannte Rabbit Holes. Sie analysiert die popkulturelle Herkunft und Verwendung der Metapher von Alice im Wunderland über The Matrix bis hin zur Metapher für digitale Abgründe und Selbstradikalisierung im Sinne des technischen Determinismus. Weitere Beiträge behandeln etwa Trolling oder den Einsatz von Kriegsmetaphorik im digitalen Kontext.
Die vollständige Publikation finden Sie hier:
Quelle
Farkas, Johan & Maloney, Marcus (Hg.). (2025). Digital Media Metaphors. A Critical Introduction. New York, Routledge.
Herf, Jeffrey (2025). Drei Gesichter des Antisemitismus. Rechts, links und islamistisch
Über die Publikation
Die Aufsatzsammlung bietet eine ausführliche Einführung in die Entstehung des modernen Antisemitismus und seine drei hauptsächlichen Erscheinungsformen. Anstatt linken, rechten und islamistischen Hass auf Jüdisches getrennt voneinander zu betrachten, fokussiert der Band die Wechselwirkungen zwischen den unterschiedlichen ideologischen Ausprägungen.
Methode
Jeffrey Herf beleuchtet in ca. 20 chronologisch geordneten Essays Entwicklungen des Antisemitismus von der Weimarer Republik bis zum 7. Oktober 2023. Die Aufsätze sind inhaltlich jeweils in sich abgeschlossen und zum großen Teil anderen (größtenteils bislang nicht ins Deutsche übersetzten) Werken des Historikers entnommen. Somit fußen die Erkenntnisse auf jahrzehntelanger historischer Forschung, welche am reichhaltigen Anmerkungs- und Quellenapparat ersichtlich wird.
Zentrale Befunde/Aussagen
Die Aufsatzsammlung bietet den Leser*innen zweierlei: erstens einen breiten historischen Überblick über die verschiedenen Ausprägungen des Antisemitismus. Es finden sich bspw. Kapitel zum Antizionismus des NS, zur Israel-Politik der DDR oder zum Antisemitismus an US-Universitäten nach 9/11. Zweitens zeigen die Essays eindrücklich auf, wie die Erscheinungsformen einander beeinflussen und verstärken. So bezeichnet Herf die vermeintlich abschwächende Umformulierung der Hamas-Charta im Jahr 2017 etwa als „Rebranding“: „Die Verfasser der Charta von 2017 bedienten sich der säkularen Sprache der globalen Linken, um ihr reaktionäres, antisemitisches und fundamentalistisches Wesen zu verschleiern [...]. Alle drei Gesichter des Antisemitismus – rechts, links und islamistisch – sind in der Charta von 2017 genauso offensichtlich wie in der von 1988.“ (S. 339) In der von Herf als besonders gefährlich eingeschätzten „Ära der Gleichzeitigkeit der drei Gesichter des Antisemitismus“ plädiert der US-Historiker für eine stärkere wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen, die diese drei Ausprägungen zusammendenkt und gleichermaßen bekämpft.
Die vollständige Publikation finden Sie hier:
https://www.hentrichhentrich.de/buch-drei-gesichter-des-antisemitismus.html
Quelle
Herf, Jeffrey (2024). Drei Gesichter des Antisemitismus. Rechts, links und islamistisch. Berlin/Leipzig, Hentrich & Hentrich.
Kraske, Michael/Laabs, Dirk (2025). Angriff auf Deutschland. Die schleichende Machtergreifung der AfD
Über die Publikation
In diesem Jahr erschien die bereits dritte Auflage des 2024 beim C.H. Beck veröffentlichten Sachbuches von Michael Kraske und Dirk Laabs. Die Autoren knüpfen an die gesellschaftliche Debatte rund um ein Parteiverbot der sogenannten Alternative für Deutschland an. In ihrer umfangreichen journalistischen Tiefenanalyse liefern sie eine belastbare Belegsammlung für die menschenverachtenden, faschistischen Ziele, die demokratiefeindlichen Agitationen und die kriminellen, militanten Verbindungen der AfD.
Methode
Die investigativ arbeitenden Journalisten Kraske und Laabs setzen sich in drei Kapiteln mit den akuten Gefahren, die von der Partei für Deutschland ausgehen, der Notwendigkeit eines AfD-Verbotes und dringenden demokratischen Handlungsnotwendigkeiten für staatliche Institutionen, Medien und Zivilgesellschaft auseinander. Sie analysieren die AfD, ihre Strukturen, Verbindungen und Strategien anhand von umfangreichen Recherchen, Dokumentenanalysen und Interviews.
Zentrale Befunde/Aussagen
Die Autoren analysieren Parteistrukturen, ostdeutsche Brennpunkte, Strategien und die Verbindungen der Partei zu militanten Reichsbürger*innen, Neonazis und autoritären Demokratiefeind*innen. Zudem werten sie Dokumente, geheime Chatprotokolle und Gespräche mit Partei-Aussteigenden aus. Kraske und Laabs zeigen, dass die AfD systematisch und bereits weit vorangeschritten daran arbeitet, das gesellschaftspolitische System zu stürzen und die Demokratie zu zerstören – für „ein Land voller Hass“ (S. 82). Detailliert wird nachgewiesen, wie mächtig die Strukturen der AfD und wie weitreichend ihre Netzwerke bereits gespannt sind, auch innerhalb von Sicherheitsbehörden und Justiz. Nach einer Gegenüberstellung der Pros und Kontras eines Parteiverbots setzen die Autoren ihr zentrales Argument: Aufgrund des Bedrohungspotenzials der Partei ist ein Verbotsverfahren notwendig. Da dies keinesfalls das Allheilmittel für eine demokratische Kultur bedeutet, liefern sie im letzten Kapitel dringende Handlungsnotwendigkeiten für staatliche Institutionen, Medien und Zivilgesellschaft.
Die vollständige Publikation finden Sie hier:
https://www.chbeck.de/kraske-laabs-angriff-deutschland/product/37000396
Quelle
Kraske, Michael/Laabs, Dirk (2025). Angriff auf Deutschland – Die schleichende Machtergreifung der AfD. München, C.H.Beck.
Mertlitsch, Kirstin et al. (Hg). (2024). Intersektionale Solidaritäten
Über die Publikation
Hervorgegangen aus der Online-Tagung „A p a r t – Together – Becoming With! Gesellschaftskritische Geschlechterforschung als Beitrag zu einer Allianz für die Zukunft“ vereint der Sammelband wissenschaftliche und angewandte Perspektiven auf den Umgang mit Differenzen in feministischen Zusammenschlüssen. Die Autor*innen loten die Spannungsfelder Identitätspolitik/Dekonstruktion und Wissenschaft/Aktivismus aus, erörtern verschiedenste Allianzformen und die Bedeutung der emotional-affektiven Ebene für das gemeinsame politische Handeln und Solidarisch-Werden.
Methode
Im sechsteilig gegliederten Band bieten 35 Autor*innen aus Kulturwissenschaften, Ökonomie, Sozialwissenschaften, Philosophie, Sozialer Arbeit sowie Kunst- und Bildungsforschung vielschichtige Perspektiven auf feministische Allianzbildung. Es ergänzen sich theoretische Ansätze mit konkreten Beispielen und Herausforderungen.
Zentrale Befunde/Aussagen
Der Band stellt verschiedene Herangehensweisen vor, wie gemeinsames politisches Handeln trotz Differenzen gelingen kann. Zunächst sollten Allianzen als prozesshaft, fluide und auch dialogisch verstanden werden (vgl. Dietze, S. 44; Ratković/More, S. 97). „Kleine Zukünfte“ (Dietze, S. 46) sowie themenbezogene Ansätze erleichtern die Zusammenarbeit über Ungleichheiten hinweg. Letztere sollten aber nicht geleugnet, sondern im Rahmen einer kontinuierlichen „Hegemonie(selbst)kritik“ – unter Einbezug materieller, institutioneller und struktureller Relationalitäten (vgl. Ludwig, S. 56) – anerkannt werden. Auch auf kollektiver Ebene müssen Bündnisse „die eigenen Verstricktheiten in der (Re)Produktion von Struktureller Diskriminierung“ reflektieren (Perko/Czollek, S. 79). Das gesellschaftskritische Erschließen von Unterdrückungsverhältnissen ermöglicht es, individuelle Erfahrungen und Gefühle von Ohnmacht in kollektiven Aktivismus zu überführen (vgl. Kajewski, S. 188). Solche affektiven Dynamiken in der gemeinsamen Arbeit (Hipfl, S. 206) und Resonanzen von Diskriminierungserfahrungen (Guschke, S. 247) sind für die Bildung von Koalitionen essenziell, dürfen jedoch nicht die vorhandene Heterogenität unterschlagen.
Die vollständige Publikation finden Sie hier:
https://shop.budrich.de/produkt/intersektionale-solidaritaeten/
Quelle
Mertlitsch, Kirstin/Hipfl, Brigitte/Kumpusch, Verena/Roeseling, Pauline (Hg). (2024). Intersektionale Solidaritäten. Opladen, Verlag Barbara Budrich.
Schlegel, Linda et al. (2025). Extremismusprävention im Gaming-Bereich. Ansätze, Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten
Über die Publikation
Die Handreichung des RadiGaMe-Forschungsverbunds bietet einen Überblick über aktuelle Strategien und Perspektiven zur Extremismusprävention im digitalen Gaming-Kontext. Sie richtet sich vor allem an Praktiker*innen der Präventionsarbeit und verfolgt drei Ziele: bestehende Ansätze sichtbar machen, Potenziale identifizieren und Herausforderungen diskutieren.
Methode
Die Publikation basiert auf umfassender Recherche und systematischer Darstellung bestehender Projekte sowie theoretischer Überlegungen. Die Erkenntnisse werden entlang von elf Kategorien aufbereitet und mit Fallbeispielen, Projektberichten und Ansätzen aus Forschung und Praxis illustriert.
Zentrale Befunde/Aussagen
Digitale Spiele und Plattformen sind zentrale Sozialisationsräume, die auch von extremistischen Akteur*innen genutzt werden. Die Handreichung zeigt vielfältige präventive Zugänge auf: Serious Games ermöglichen eine spielerische Auseinandersetzung mit Themen wie Radikalisierung oder Erinnerungskultur. Sie wirken durch Immersion und Rollenübernahme, sind jedoch kostenintensiv und technisch anspruchsvoll. Der Einsatz bestehender Spiele – etwa durch gemeinsames Spielen, Modding oder Inhaltserstellung – ist alltagsnäher und kostengünstiger. Auch Plattformen wie Discord, Twitch oder Steam bieten niedrigschwellige Kontaktmöglichkeiten, setzen aber kulturelle Kompetenzen und technische Ressourcen voraus. Gaming-Ästhetik und Sprache sind für Social-Media-Kampagnen nutzbar, werden aber bislang kaum eingesetzt. Ebenso birgt Gamification Potenzial, etwa durch Punktesysteme oder narrative Spielformate. In der Distanzierungsarbeit können Gaming-Elemente wie Avatare oder Rollenspiele den Zugang zu Klient*innen erleichtern. Weiterbildungen sind nötig, um Fachkräfte für diese digitale Kultur zu sensibilisieren. Die Handreichung benennt zudem Lücken in der Betroffenenberatung, begrenzte Netzwerke sowie neue Ansätze wie digitale Streetwork. Abschließend wird das Potenzial von KI und Virtual Reality skizziert – wenig genutzt, aber zukunftsweisend.
Die vollständige Publikation finden Sie hier:
https://www.radigame.de/fileadmin/DatenRadigame/Publikationen/RadiGaMe_Report1.pdf
Quelle
Schlegel, Linda/Heider, Matthias/Ohlenforst, Vivienne (2025). Extremismusprävention im Gaming-Bereich. Ansätze, Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten. RadiGaMe-Projekt. Frankfurt a. M., PRIF.
Slobodian, Quinn (2025). Hayek’s Bastards
Über die Publikation
Das Buch untersucht die Wurzeln gegenwärtiger rechtspopulistischer bis rechtsextremer Akteur*innen und Ideologien. Das ist insbesondere interessant, da die Hinwendung zum Rechtspopulismus oder -extremismus häufig als Reaktion auf den Neoliberalismus verstanden wird.
Methode
Quinn Slobodian ist Professor für internationale Geschichte an der Boston University und hat eine Vielzahl historischer Quellen für das Buch ausgewertet. Als genealogische Untersuchung greift Slobodian dabei insbesondere auf Publikationen, Korrespondenzen, Protokolle und Mitschriften von Treffen diverser neoliberaler bis paläolibertärer Thinktanks zurück.
Zentrale Befunde/Aussagen
Zentraler Befund der Analyse ist, dass der Ursprung der politischen Richtung, die häufig mit Rechtspopulismus beschrieben wird, mindestens teilweise im Neoliberalismus selbst liegt. Ludwig von Mises, Friedrich A. von Hayek und andere gehör(t)en zur sogenannten Österreichischen Schule, einer stark individualistischen, ultralibertären (manchmal auch paläolibertär genannten) Wirtschaftslehre. Die Theoretiker, die sich in der Folge vor allem auf die beiden bezogen, führten deren Ideen fort und radikalisierten diese dabei zunehmend. Zwei ideologische Nachfolger von Hayek, Murray N. Rothbard und Richard Herrnstein, veröffentlichten 1994 „The Bell Curve“, ein Buch, das in Inhalt und Effekt mit Thilo Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“ vergleichbar ist. Sie rehabilitieren darin über den ‚IQ racism‘ einen biologistischen Rassismus, der Intelligenzunterschiede zwischen ethnischen Gruppen als gegeben voraussetzt und Einwanderung in westliche Gesellschaften mit gesellschaftlicher Intelligenzminderung gleichsetzt. Dabei beziehen sie sich intensiv auf den Eugeniker und sich selbst als ‚scientific racist‘ bezeichnenden Richard Lynn, der gleichzeitig eine Ikone der US-amerikanischen Alt-Right ist. Rothbard war außerdem Berater des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Patrick ‚Pat‘ Buchanan, der damals bereits Wahlkampf mit der vollständigen Abschaffung des Sozialstaats machte und aktuelle Entwicklungen um Trump, DOGE und Massenkündigungen im öffentlichen Dienst historisiert.
Die vollständige Publikation finden Sie hier:
www.penguin.co.uk/books/472194/hayeks-bastards-by-slobodian-quinn/9780241774984
Quelle
Slobodian, Quinn (2025). Hayek’s Bastards. The Neoliberal Roots of the Populist Right. London, Allen Lane/Penguin Books.
Thompson, Emily/Lamphere-Englund, Galen (2024). 30 Years of Trends in Terrorist and Extremist Games
Über die Publikation
Der Report dokumentiert erstmals systematisch die historische Entwicklung extremistischer und terroristischer Videospiele seit den 1980er-Jahren. Ziel ist es, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft ein datenbasiertes Instrument zur Analyse des Phänomens an die Hand zu geben.
Methode
Grundlage ist die neu geschaffene Extremist and Terrorist Games Database (ETGD), die 155 Titel aus den Jahren 1982 bis 2024 erfasst – darunter Eigenproduktionen, Modifikationen und Browser-Games. Die ETGD entstand zwischen 08/2023 und 08/2024 und umfasst 81 eigenständige Spiele, 21 Browser-Games und 53 Modifikationen. Jeder Titel wurde anhand öffentlich zugänglicher Quellen mehrfach validiert und nach Kriterien wie Erscheinungsjahr, ideologischer Ausrichtung (z. B. Rechtsextremismus, Dschihadismus), Unterkategorien, Sprache, Plattform sowie – sofern verfügbar – Einnahmen kodiert.
Zentrale Befunde/Aussagen
Die Autor*innen beschreiben eine dreiphasige Entwicklung: erstens vereinzelte rassistische Eigenproduktionen in den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren (z. B. KZ-Manager), zweitens ein Wiederaufleben in den 2000er-Jahren mit Titeln wie Ethnic Cleansing und drittens ein starker Anstieg seit 2020. Auch die Verbreitungswege wandelten sich: Anfangs dominierten Postversand und einfache Websites, heute reicht die Spanne von Archive.org und Telegram bis zu Steam. Die 155 Einträge teilen sich auf in 101 mit rechtsextremem, 24 mit dschihadistischem, einen mit linksextremem und 29 mit sonstigem Hintergrund – letztere etwa Modifikationen, in denen Schulamokläufe simuliert werden. Inhaltlich decken sie ein breites Spektrum ab: von White Supremacy und Neonazismus über salafistische Propaganda bis hin zu antifeministischen und LGBTQ+-feindlichen Inhalten. Die Autor*innen sprechen sich u. a. für die Entfernung extremistischer Inhalte von Plattformen, verbesserte Meldeprozesse, sektorübergreifende Kooperationen, rechtliche Regulierungen sowie Bildungs- und Forschungsinitiativen aus.
Die vollständige Publikation finden Sie hier:
https://gnet-research.org/wp-content/uploads/2024/10/GNET-47-Extremist-Games_web.pdf
Quelle
Thompson, Emily/Lamphere-Englund, Galen (2024). 30 Years of Trends in Terrorist and Extremist Games. GNET-47. Global Network on Extremism and Technology/Extremism and Gaming Research Network. London.
Tsolak, Dorian et al. (2025). Regionalisierung rassistischer und diskriminierender Diskurse im Social Web
Über die Publikation
Rassistische und diskriminierende Einstellungen sind in Teilen der Bevölkerung weit verbreitet. Sie manifestieren sich häufig auch in sozialen Medien. Über die regionalen Unterschiede in der Verbreitung diskriminierender Social-Media-Diskurse ist bisher hingegen wenig bekannt. Dieser Lücke haben sich die Forschende des Berliner Instituts für Integrations- und Migrationsforschung angenommen.
Methode
Die Analyse basiert auf Daten, die zwischen 2018 und 2023 auf der Plattform Twitter (heute X) erhoben worden sind. Mehr als zwei Milliarden Nachrichten wurden auf Ortsangaben in Nutzendenprofilen hin analysiert und regionalen Einheiten (Kreisebene) zugeordnet (Geocoding). Auf Basis von über 800 Millionen Tweets konnte ein Hassrede-Index erstellt werden. Durch das Auszählen der Auftrittshäufigkeiten der Schlüsselbegriffe pro Kreis wurde der Hassrede-Index regional kartiert und mit Daten zur Sozialstruktur und dem Wahlverhalten der Kreise zusammengeführt.
Zentrale Befunde/Aussagen
Das Forschungsprojekt schlägt eine Brücke zwischen Social-Media-Kommunikation und gruppenbezogener Abwertung sowie deren sozialräumlichen Verortungen. So kann das Team zeigen, dass Hassrede und rassistische Diskurse auf Twitter bzw. X große Unterschiede in ihrer regionalen Verbreitung aufweisen. Im Einklang mit anderen Forschungsergebnissen kann die These von Allport (1954), der zufolge soziale Kontakte zwischen Gruppen diskriminierenden Stereotypen entgegenwirken, auch innerhalb der Social-Media-Sphäre bestätigt werden: Dort, wo weniger Migrant*innen leben und dort, wo die AfD bei vergangenen Wahlen besonders gut abschneiden konnte, verbreiten Nutzende häufiger Hassrede und rassistische Diskriminierung als in Regionen mit höherem Migrationsaufkommen und geringerem Zuspruch zur AfD. Die Daten des Forschungsprojekts sind – inklusive des regionalen Hassrede-Index – über die Webseite dataexplorer.soz.uni-bielefeld.de der Universität Bielefeld zugänglich und dort interaktiv und grafisch für Interessierte aufbereitet.
Die vollständige Publikation finden Sie hier:
https://edoc.hu-berlin.de/items/23af4e04-300a-4dde-83c7-b408afd0fff9
Quelle
Tsolak, Dorian/Knauff, Stefan/Kühne, Simon (2025). Regionalisierung rassistischer und diskriminierender Diskurse im Social Web. BIM News, 6. https://doi.org/10.18452/31676.
Weiß, Volker (2025). Das Deutsche Demokratische Reich. Wie die extreme Rechte Geschichte und Demokratie zerstört
Über die Publikation
Der Titel ist provokant gewählt und verweist auf die zentrale These des Buches: Rechte Akteur*innen formen aus selektiven, oft entstellten Versatzstücken deutscher Geschichte – Nationalsozialismus, DDR und heutiges Russland – eine alternative Staatsutopie. Weiß zeigt, wie diese historische Umdeutung genutzt wird, um autoritäre Sehnsüchte aus vermeintlicher historischer Tradition herzuleiten.
Methode
Weiß seziert Äußerungen von AfD-Politiker*innen, rechten Vordenker*innen und Medien wie Compact, zitiert öffentlich zugängliche Quellen und legt offen, wie Geschichte durch Begriffsverschiebungen und symbolische Umdeutungen durch die extreme Rechte angeeignet wird.
Zentrale Befunde/Aussagen
Das zentrale Argument lautet: Die extreme Rechte betreibt eine strategische subversive Resignifikation von Geschichte, bei der autoritäre Ordnungsfantasien mit vermeintlich historischen Vorbildern legitimiert werden. Die Nazis seien „links“ gewesen, die DDR ein positives Beispiel staatlicher Autorität, Russland ein Bollwerk gegen westliche Dekadenz – all das sind Narrative, die Weiß als ideologisch motivierte Umdeutungen entlarvt. Dabei stellt sich die Frage: Was macht die Anziehungskraft der extremen Rechten aus – und warum wirken ihre historischen Bezüge oft gar nicht so schief, wenn man sie nur passend in das gewünschte Weltbild einfügt? Weiß zeigt auf, dass viele aktuelle Sprachbilder und Ideen der extremen Rechten keineswegs neu oder originell sind, sondern auf alte Muster zurückgreifen. Positive DDR-Referenzen etwa werden zu neuen Identitätsangeboten umgedeutet – sie versprechen Ordnung, soziale Sicherheit und kulturelle Homogenität. Besonders überzeugend ist Weiß’ Analyse der scheinbaren kognitiven Dissonanz vieler rechter Narrative: Etwa wenn Menschen sich die DDR zurückwünschen und gleichzeitig stolz auf die Friedliche Revolution von 1989 sind. Die rechte Erzählung schafft es, solche Widersprüche zu glätten und kohärent erscheinen zu lassen – durch geschickte sprachliche Rahmungen und symbolische Deutungen.
Die vollständige Publikation finden Sie hier:
Quelle
Weiß, Volker (2025). Das Deutsche Demokratische Reich. Wie die extreme Rechte Geschichte und Demokratie zerstört, Stuttgart, Klett-Cotta.

