Das Internet ist längst nicht mehr der Ort für demokratische Utopien, zu dem es in seinen frühen Tagen erklärt wurde, sondern ein aktiver Beschleuniger von Desinformation, Polarisierung und Extremismus – und zwar in doppelter Hinsicht: Zum einen werden demokratiegefährdende Einstellungen und Ideologien über digitale Plattformen sichtbar und wirkmächtig. Zum anderen untergraben auch die Funktionslogiken und technischen Neuerungen des Internets selbst demokratische Diskurse und geben Akteur*innen, die gegen die liberale Demokratie kämpfen, strukturelle Vorteile.
In zwölf Beiträgen betrachtet die vorliegende Ausgabe der Wissen schafft Demokratie (WsD) die vielschichtigen Facetten dieser Gefährdungslage. Dabei geraten neben klassischen politischen Arenen auch vermeintlich unpolitische Sozialräume wie Gaming-Szenen und religiöse Sondergemeinschaften in den Blick, die bislang oft unter dem Radar von Präventionsakteur*innen blieben. Die Autor*innen aus Wissenschaft und Praxis analysieren, wie Online-Plattformen und deren Kommunikationsinfrastrukturen für demokratiegefährdende Mobilisierung instrumentalisiert werden, welche Rolle hybride Influencer*innen spielen und wie sich neue rechtsextreme Jugendkulturen zwischen TikTok-Ästhetik und Straßenkrawall formieren. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Einsatz von (generativer) Künstlicher Intelligenz, die weit über bloße Täuschung hinaus eine strategische Ambivalenz erzeugt, welche das Vertrauen in die Wahrhaftigkeit von Informationen und Institutionen gleichermaßen erodieren lässt.
Jenseits von bloßem Alarmismus liefert der Band essenzielle Impulse, um dem digitalen Strukturwandel demokratisch, resilient und handlungsfähig zu begegnen.
ISSN (Online): 2512-9716
ISSN (Print): 2512-9732
Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ)
Maik Fielitz, Matthias Heider, Franziska Martini & Susanne Haldrich
Mona Gusinde & Josina Hessentaler
Amadeu Antonio Stiftung, Novalisstraße 12, 10115 Berlin