Kontakt:
E-Mail: cynthia.freund-moeller(at)fgz-risc.de
Wir leben in einer Gesellschaft, in der nicht alle Menschen die gleichen Chancen haben. Merkmale wie Herkunft, Geschlecht, Bildung, sexuelle Orientierung, Alter oder Sprache beeinflussen unsere gesellschaftliche Stellung und daran geknüpfte Privilegien. Dieses Arbeitspaket untersucht, wie Menschen als „Allies“ ihre Privilegien für eine gerechtere und weltoffenere Gesellschaft einsetzen können, um den demokratischen Zusammenhalt zu stärken.
Der Begriff Allyship ist in den letzten Jahren auch im deutschsprachigen Raum populär geworden. Allyship heißt, Ressourcen und Macht zugunsten von Benachteiligten einzusetzen oder abzugeben. Das Besondere daran ist, dass die Lebensentwürfe und sozialen Verhältnisse von Benachteiligten und ihren Allies teilweise sehr unterschiedlich sind. Und trotzdem verbünden sie sich, um Diskriminierung entgegenzuwirken. Obwohl der Begriff so beliebt ist, wird Allyship unterschiedlich verwendet und verstanden.
Wir wollen herausfinden, was Allyship ausmacht und braucht, um zu gelingen. Dazu werten wir vorhandene Literatur sowie Interviews und Befragungen aus. Besonders wichtig ist uns, die Perspektive von Menschen mit Diskriminierungserfahrungen einzubeziehen. Welche Möglichkeiten der Unterstützung durch Allies gibt es? Was braucht Allyship, um wirklich hilfreich zu sein? Und in welchen Fällen bleibt Unterstützung auf einer performativen Ebene bestehen und trägt damit wenig zur Verbesserung bei oder reproduziert sogar bestehende Ungleichheiten? Zur Auseinandersetzung mit diesen Fragestellungen werden im engen Austausch mit der Zivilgesellschaft schließlich konkrete Handlungsempfehlungen erarbeitet.
In Zeiten zunehmender Polarisierung, in denen die Berührungspunkte mit Bevölkerungsgruppen jenseits der eigenen sozialen und ideologischen „Blase“ immer seltener werden, gewinnt Allyship an Bedeutung. Sie eröffnet Einblicke in unterschiedliche Lebenswirklichkeiten und kann dadurch gesellschaftliche Gräben überbrücken. Im Idealfall trägt sie zum Abbau struktureller Ungleichheiten und bestehender Vorurteile bei.
Zunächst geht es in dem Arbeitspaket um die theoretische Aufarbeitung und konzeptuelle Schärfung des Begriffs Allyship als handlungstheoretischer Ansatz: Indem Allyship ein aktives, kontinuierliches und selbstkritisches Engagement aus der Dominanzgesellschaft einfordert, erweitert es den klassischen Solidaritätsbegriff. Geplant ist eine wissenschaftliche Publikation, die ein fundiertes Verständnis von Allyship als zeitgemäßes Handlungskonzept in Theorie und Praxis vermittelt. Im weiteren Verlauf fokussiert das Arbeitspaket auf Allyship im Kontext queeren Engagements auf institutioneller, organisationaler Ebene. Mittels einer qualitativen Interviewstudie wird Allyship als Prozess mit durchaus ambivalentem Charakter untersucht. Ergänzend wird eine Onlineumfrage durchgeführt, um konzeptuelle Rahmenbedingungen und Gelingensfaktoren von Allyship über die LGBTIQA+-Community hinaus zu erfassen. In Kooperation mit Praxispartner*innen – unter anderem im Rahmen einer Forschungswerkstatt – werden die Forschungsergebnisse validiert und inhaltliche Schwerpunkte der Befragung festgelegt. Neben wissenschaftlichen Publikationen ist auch die Erstellung eines Fact Sheets zu Allyship vorgesehen.
Das Arbeitspaket ist ein Forschungsvorhaben des Themenfeldes D „Kulturelle Dynamiken des Zusammenhalts“ und dort im Schwerpunkt „Hegemoniedynamiken" angesiedelt.
Zur Projektbeschreibung auf der Website des „Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ)“
Wissenschaftliche Referentin
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E-Mail: cynthia.freund-moeller(at)fgz-risc.de