Radikale oder extremistische Weltanschauungen, die unsere demokratischen Grundwerte ablehnen oder infrage stellen, bedrohen den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sie schüren Spaltung und Konflikte, anstatt auf Dialog, Kompromiss und gemeinsame Werte zu setzen. Extremistische Gruppierungen versuchen gerade in ländlich geprägten Gebieten, Räume für ihre Aktivitäten zu etablieren. Mit ihrer wiederholten Präsenz wollen sie ihre Einstellungen und Ideologien normalisieren und als gesellschaftlich akzeptabel darstellen. Dies kann dazu führen, dass antidemokratische und extremistische Positionen in bestimmten Regionen als weniger bedrohlich wahrgenommen werden, was den gesellschaftlichen Zusammenhalt weiter schwächt.
Die Bewältigung dieser Herausforderungen erfordert ein starkes Zusammenspiel von Politik, Verwaltung und engagierter Zivilgesellschaft. Wir müssen Strategien (weiter-)entwickeln, die auf Inklusion, Bildung, soziale Gerechtigkeit und den Abbau von Vorurteilen abzielen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass gesellschaftliche Spaltungen vertieft und demokratischer Dialog geschwächt werden.
Mit dem Thüringer Landesprogramm für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit stellt das Thüringer Sozialministerium ein wichtiges Instrument bereit, das auch die Herausforderungen und Entwicklungen einer „Uncivil Society“ adressiert und bearbeitet. Das Programm fördert und vernetzt Projekte, die in den Bereichen Demokratiebildung und Prävention beteiligungsorientierte Alltagskultur entwickeln, Beratungs- und Unterstützungssysteme bereitstellen und die Partnerschaft von Staat und Zivilgesellschaft ausgestalten. Die durchgeführten Maßnahmen und die geförderten Institutionen und Projekte eint das Verständnis, dass eine lebendige Demokratie auf das gesellschaftliche Engagement der Bürgerinnen und Bürger angewiesen ist.
Das Ziel ist klar, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken, demokratische Kultur zu fördern und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit wirksam entgegenzutreten. Das Programm ist eine Antwort auf die derzeitigen Herausforderungen und wird gestärkt und weiterentwickelt. Die Festigung unserer Demokratie bleibt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, an der alle mitwirken müssen.
Das Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) begleitet das Landesprogramm seit vielen Jahren mit Forschung und Expertise. Der vorliegende Band der Schriftenreihe befasst sich mit Perspektiven, aktuellen Tendenzen und Befunden zu jenen Seiten der Zivilgesellschaft, die eine Herausforderung für das demokratische Miteinander darstellen können.
Ich wünsche Ihnen eine interessante und informationsreiche Lektüre.

