Sekundäre Viktimisierung von Betroffenen rechter Gewalt

Forschungsvorhaben und Projektziel

Von vorurteilsmotivierter Gewalt betroffene Menschen machen bestimmte Erfahrungen des „Zum-Opfer-Werdens“ („Viktimisierung“). Dabei werden mehrere Viktimisierungsstufen unterschieden:

  • Primäre Viktimisierung ist die eigentliche Opferwerdung, d.h., die Schädigung einer oder mehrerer Personen durch einen oder mehrere Täter*innen.
  • Sekundäre Viktimisierung dagegen entsteht erst nach der primären Opferwerdung durch Fehlreaktionen des sozialen Nahraums von Betroffenen (z.B. Freund*innen, Bekannte, Familienangehörige) und/oder Instanzen der formellen Sozialkontrolle (Polizei, Staatsanwaltschaft, Gerichte).
     

In unserem Forschungsprojekt „Sekundäre Viktimisierung von Betroffenen vorurteilsmotivierter Gewalt“ untersuchen wir folgende Forschungsfragen:

  • Welche Erfahrungen berichten Betroffene von rechter, rassistischer, antisemitischer oder durch andere Vorurteile motivierter Gewalt vom Umgang durch Polizei, Gerichte und Staatsanwaltschaften mit ihnen in und nach der Tatsituation?
  • Wie nehmen sie die Unterstützung durch professionelle Opferberatungsstellen wahr?
  • Welche Auswirkungen haben diese Erfahrungen für die Betroffenen?
     

Ziel ist es folglich, die Erfahrungen der Betroffenen, insbesondere nach der Tat, zu dokumentieren, um daraus Handlungsempfehlungen ableiten und künftig Prozesse sekundärer Viktimisierung besser vermeiden zu können. Das Projekt ist zeitlich bis August 2022 angelegt.

Vorgehensweise

Die Erfahrungen der Betroffenen werden in zwei Modulen empirisch untersucht:

  • In Modul 1 wurden qualitative Interviews mit 5 Betroffenen und 7 Expert*innen durchgeführt. Dadurch wurde einerseits der Phänomenbereich aus ihrer Sicht eruiert und andererseits wurden wichtige Erkenntnisse für Modul 2 gesammelt.
  • In Modul 2 wurde bis August 2022 eine umfangreiche Online-Befragung von Betroffenen durchgeführt, um die Erfahrungen möglichst vieler Menschen zu dokumentieren.
     

Wissenstransfer

Durch die Zusammenarbeit mit den Praxispartner*innen aus der Opferberatung fließt einerseits praktisches Erfahrungswissen in die Untersuchung ein. Andererseits sollen die Ergebnisse der umfangreichen Studie mit den Praxispartner*innen diskutiert und validiert werden, bevor sie in Fachvorträgen und einer Broschüre veröffentlicht werden bzw. in einer Kampagne zum Thema münden.

Institutionelle Einbindung

Das partizipative Projekt wird vom Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) durchgeführt und läuft in allen Phasen in enger Zusammenarbeit mit dem bundesweiten Dachverband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt e.V. (VBRG), der Beratungsstelle für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Thüringen (ezra) und dem Opferfonds CURA der Amadeu-Antonio-Stiftung (AAS).

Wissenschaftliche Leitung

Dr. Daniel Geschke

Wissenschaftlicher Referent

Kontakt:
Tel.: 03641/2719402
Mail: daniel.geschke(at)idz-jena.de

 


Kooperationen