Wissen schafft Demokratie 3/2018 - Gesellschaftlicher Zusammenhalt

„Gelingender Zusammenhalt ist kein Selbstläufer.“ Dieses Zitat aus dem vorliegenden Band bringt die Intention der Beiträge im 3. Band der IDZ-Schriftenreihe „Wissen schafft Demokratie“ mit dem Schwerpunktthema „Gesellschaftlicher Zusammenhalt“ auf einen Nenner. Immer deutlicher werden
in unserer Gesellschaft Symptome sichtbar, welche die Frage nach dem inneren Zusammenhalt aufwerfen: zunehmende Polarisierung der Gesellschaft, Verrohung der Sprache, anhaltend hohe Gewaltbereitschaft gegenüber Migrant_innen und Geflüchteten, hohe Virulenz von Antisemitismus und
Verschwörungserzählungen etc. Um Ursachen für diese Entwicklungen zu erkennen und um gegenzusteuern, ist es notwendig, einen genauen Blick auf aktuelle Herausforderungen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu werfen.


Wissen schafft Demokratie - Band 3/2018

Liebe Leserinnen und Leser,

„Sport ist so langweilig alleine…!!“ Das habe ich auf einer Schultafel gelesen. Anlässlich einer Dialogveranstaltung zur Vorbereitung des Thüringer Integrationskonzepts. Dort habe ich mit vielen Menschen gesprochen, die mir ihre Ausgrenzungserfahrungen geschildert haben aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Abstammung, ihrer ethnischen Zugehörigkeit, ihrer sozialen Stellung, ihrer Sprache, ihrer politischen, weltanschaulichen oder religiösen Überzeugungen, ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung. Unsere Landesverfassung verbietet solche Diskriminierung zwar....

download as PDF

Mit dem Schwerpunkt Gesellschaftlicher Zusammenhalt widmet sich die Schriftenreihe Wissen schafft Demokratie einem wichtigen und gleichzeitig schwer zu definierendem Thema. Begriffs- und Forschungsarbeiten zu gesellschaftlichem Zusammenhalt (oder sozialer Kohäsion) umfassen ein breites Spektrum an Ansätzen, Denkrichtungen und Schwerpunkten. Zum einen wird gesell- schaftlicher Zusammenhalt international als ein mit wissenschaftlichen Methoden bestimm- und messbarer Gegenstand untersucht. Zum anderen wird er gesellschaftspolitisch als Anspruch und Gradmesser des demokratischen Zusammenlebens für...

download as PDF

Gesellschaftlicher Zusammenhalt lässt sich als Qualität des gemeinschaftlichen Miteinanders in einem territorial abgegrenzten Gemeinwesen definieren. Die Forschung zeigt, dass gute Voraussetzungen für starken Zusammenhalt größerer Wohlstand, geringeres Armutsrisiko und ein geringeres Durchschnittsalter der Einwohner_innen des betrachteten Gemeinwesens sind. Thüringen weist hinsichtlich des Zusammenhalts den drittniedrigsten Wert im Vergleich aller Bundesländer auf.

 

download as PDF

Der Beitrag liefert einen Überblick über Befunde des Thüringen-Monitors 2017 zum Zusammenhang zwischen der ‚Sorge um den gesellschaftlichem Zusammenhalt‘, der Gerechtigkeitswahrnehmung und den politischen Einstellungen der Thüringer Bevölkerung sowie ihrer Akzeptanz von ethnischen, kulturellen und sozialen Minderheiten.

download as PDF

Im vorliegenden Text werden auf Basis aktueller Befragungsdaten Ergebnisse der politischen Einstellungen von Geflüchteten und Personen in Deutschland verglichen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf einer Analyse der Determinanten des liberalen Demokratieverständnisses von Geflüchteten.

download as PDF

Was beschäftigt die Zivilgesellschaft in Thüringen? Der vorliegende Artikel berichtet deskriptive Befunde einer Protestereignisanalyse auf Grundlage von Tageszeitungsartikeln aus dem gesamten Jahr 2017. Zugrunde liegen insgesamt 507 erhobene Protestereignisse. Die Daten zeigen, welche Themen besonderes Konfliktpotenzial mit sich bringen und offenbaren allgemeine Tendenzen und Trends gesellschaftlicher Auseinandersetzungen. Sie weisen u. a. ein besonders hohes Gewaltpotenzial im Rechtsextremismus aus.

download as PDF

Immer öfter mischt sich in politischen Protesten Kritik an mangelnder demokratischer Mitbestimmung mit Ungleichwertigkeitsvorstellungen und Ressentiments. Wie geht das zusammen? Eine Erklärung, so versucht der Beitrag zu zeigen, liegt in einem einseitigen Demokratieverständnis, in dem demokratische Teilhabe lediglich als eine Leistung des politischen Systems verstanden wird. Darin kommt nicht nur demokratische Beteiligung zu kurz. Diese politische Kultur begünstigt außerdem die Abwertung von Gruppen, die vermeintlich keinen Anspruch auf diese Leistungen haben.

download as PDF

Der Beitrag dokumentiert einen Auszug aus dem Abschlussplädoyer des Autors beim NSU-Prozess in München. Im NSU-Verfahren vertrat er die Geschwister von Abdurrahim Özüdoğru, der 2001 ermordet wurde, und die Tochter von Ismail Yaşar, den der NSU 2005 erschossen hatte. Es wird anhand von Erfahrungen insbesondere aus dem NSU-Kontext gezeigt, wie Rassismus und Diskriminierung den Zusammenhalt in der Gesellschaft in Frage stellen.

 

download as PDF

Vorurteile und Diskriminierung werden in Deutschland zunehmend salonfähig und damit scheinbar immer ‚normaler‘. In diesem Beitrag sollen – bezugnehmend auf die aktuelle Situation in Deutschland – aus sozialpsychologischer Sicht einige Faktoren beleuchtet werden, die zu gesellschaftlichen Normverschiebungen führen können. Die Funktion sozialer Normen und ihre enge Verzahnung mit Vorurteilen werden theoretisch und empirisch erörtert. Zudem werden Handlungsempfehlungen gegeben, wie diesen Normverschiebungen entgegengewirkt werden kann.

 

download as PDF

Ausgehend von den Ideen des französischen Soziologen Paugam zur Sozialen Disqualifizierung wird in dem Beitrag dargelegt, wie Langzeitarbeitslose die Abwertung ihres Status wahrnehmen. Grundlage der Analyse sind 26 leitfadengestützte Interviews mit Langzeitarbeitslosen, die zwischen 2013 und 2016 geführt wurden. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen die Wahrnehmung von und der Umgang mit negativen Zuschreibungen in Bezug auf den Status der eigenen Arbeitslosigkeit. Die Ergebnisse lassen für diese Gruppe erhebliche Zweifel an einem solidarischen, gesellschaftlichen Zusammenhalt entstehen....

download as PDF

Demokratiebildung fungiert schon längst nicht mehr als ausschließliche Domäne des Sozialkundeunterrichtes. Das Bewusstsein, als Bürger*in Gesellschaft zu reflektieren, zu kritisieren und aktiv zu gestalten, bildet eine generelle Vermittlungsaufgabe von Schule ab. Der Beitrag stellt die Frage nach den Grundlagen demokratischer Bildung und wirft das Problem auf, inwieweit Pluralität und Vielfalt innerhalb der Bildung ihre Entsprechung finden können. Dabei bilden Widersprüche und gesellschaftliche Konflikte eine zentrale Herausforderung, auf welche Schule in ihrem Grundverständnis als...

download as PDF

Vorgestellt werden das theoretische Modell und ausgewählte Ergebnisse einer standardisierten Befragungsstudie, die 2017 im Rahmen eines durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekts mit N = 1.083 Jugendlichen mit und ohne Einwanderungshintergrund aus Thüringen durchgeführt wurde. Ziel des Projekts ist die Analyse von Einstellungen zu Demokratie und demokratischer Partizipation sowie möglicher Ursachen und Einflussfaktoren. Die Befunde machen darauf aufmerksam, dass demokratiefreundliche sowie demokratiepraktizierende Unterrichtsbedingungen wichtige Voraussetzungen...

download as PDF

Die aktuellen gesellschaftlichen Debatten um Flucht und Zuwanderung ziehen sich bis tief in die Lokalräume. Vielfältige asylfeindliche Mobilisierungen sind in der Lage, sich vor Ort zu etablieren und politische Deutungsmacht zu erlangen. Dies fordert auch Jugendarbeit als lokalräumlichen Akteur heraus, strategische Maßnahmen demokratischer Bildung voranzutreiben. Der Beitrag versucht praxisrelevante Grundannahmen des Modells der pauschalisierenden Ablehnungskonstruktionen (PAKO, vgl. Möller et al. 2016) zu veranschaulichen und hiervon Handlungsempfehlungen für Sozialarbeiter*innen in der...

download as PDF

Die NPD hat der AfD den Weg geebnet: Sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland, besonders in wirtschaftlich abdriftenden, aber auch in prosperierenden Regionen profitiert die AfD von einer lokalen politischen Kultur, in der sich Demokratieverdrossenheit und Rechtsextremismus normalisieren konnten. Dies zeigt eine statistische Mehrebenenanalyse des Bundestagswahlergebnisses unter Einbeziehung von lokalen Kontextdaten auf Wahlkreisebene.

download as PDF

Die „Identitäre Bewegung“ (IB) gilt als jugendlicher Teil der neurechten Bewegung, der rechte Propagandainhalte öffentlichkeitswirksam inszeniert. Im Zentrum der „Identitären“ stehen dabei klassische rechte Schlagworte wie Volk, Identität und Heimat – im Unterschied zu ihren Vorbildern in den 1920er Jahren ist die intellektuelle Fundierung dieser Konzepte aber nur rudimentär gegeben, die meisten Verlautbarungen aus identitären Kontexten sind geradezu trivial. Der identitäre Heimatbegriff steht gleichwohl im Zentrum – wenn auch vor allem als Ideologie der Praxis.

download as PDF

Die „Neue Rechte“ befindet sich im Kampf um die „kulturelle Hegemonie“ gegen die parlamentarische Demokratie. Ein Kernziel ist dabei die Delegitimierung etablierter politischer Akteure wie Gewerkschaften, Parteien oder zivilgesellschaftlicher Gruppierungen. Der Beitrag beleuchtet am Beispiel der Initiative „Ein Prozent“ diesen „Kulturkampf von rechts“.

 

download as PDF

Der Text gibt einen Überblick über das Geschlechterbild der Neuen Rechten. Zunächst wird kurz die Geschichte und Strategie der Neuen Rechten und ihr Verhältnis zur „Alternative für Deutschland“ geschildert. Dann werden anhand von Beiträgen der Zeitschrift „Sezession“ neurechte Konstruktionen von Männlichkeit und Weiblichkeit herausgearbeitet.

 

download as PDF

Im vorliegenden Artikel werden Zahlen und Analysen zur RechtsRock-Situation in Thüringen vorgestellt. Dabei stützt sich MOBIT auf seit 2007 kontinuierlich erstellte Jahreschroniken, in denen die bekannt gewordenen Konzerte der Neonazi-Szene aufgeführt sind, und auf die Erfahrungen aus der Beratungsarbeit seit 2001. Im Einzelnen werden die Zählungskriterien, verschiedene Konzertformate, begünstigende Faktoren in Thüringen sowie die Herausforderungen für die Zivilgesellschaft beschrieben. Der Beitrag benennt Auswirkungen, die fehlende Gegenproteste haben.

download as PDF


Bestellung und Kontakt

Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft

Talstr. 84
07743 Jena

E-Mail: mail@idz-jena.de
Telefon: 03641 2719403


Impressum

Herausgeber:

Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) – 
Thüringer Dokumentations- und Forschungsstelle gegen Menschenfeindlichkeit

 

Redaktion:

Dr. Janine Dieckmann 
Dr. Daniel Geschke 
Dr. Matthias Quent 
Dipl.-Pol. Anne Tahirovic

 

Unter Mitarbeit von:

Susann Bischof, Christine Eckes, Lennart Elias, Konrad Erben, Tobias Fernholz, Maik Fielitz, Laura Gey, Dorothea Gläßer, Jonas Körbach

 

Verleger und Träger:

Amadeu Antonio Stiftung, Novalisstraße 12, 10115 Berlin

 

Peer Review:

Wissenschaftlicher Beirat


Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.